Wir wollen endlich das beitragsfreie Vorschuljahr durchsetzen!

Veröffentlicht am 14.08.2016 in Bildung

Martin Gorholt legt für den Landesparteitag im Oktober  den Antrag vor, endlich das beitragsfreie Vorschuljahr einzuführen. Endlich sollen die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Neurobiologie, Psychologie, Linguistik, Soziologie und Ökonomie beachtet werden, wonach die Lernerfahrungen der frühen Kindheit den weiteren Entwicklungsweg eines Menschen entscheidend beeinflussen. Noch immer gibt es in Deutschland einen unguten Zusammenhang zwischen Herkunft und höherwertigem Bildungsabschluss. Noch immer hängt es also vom Geldbeutel der Eltern ab, ob Chancengleichheit realisiert werden kann. Die ersten Lebensjahre sind entscheidend, denn im Kindergarten werden für alle qualitativ hochwertige frühkindliche Bildungs-und Betreuungsangebote gemacht, die sowohl für das einzelne Kind als auch für die gesamte Gesellschaft wichtig und rentabel sind. Beweise liegen vor, dass Investitionen  am Anfang der Bildungskarriere den höchsten fiskalischen Nutzen bringen. Auch deshalb ist das beitragsfreie Vorschuljahr ein bedeutender Schritt, aber noch wichtiger  erscheint mir, dass alle unsere Vorschulkinder unabhängig von der Familiensituation soziale und emotionale Kompetenzen erwerben, kognitive Anregungen bekommen und  Neugier stimuliert wird. Martin Gorholts Initiative erfüllt Elternwünsche, er verdient Unterstützung von allen Parteien.

„Die ersten Lebensjahre, in denen das Gehirn der Kinder reift, sind entscheidend für den späteren Nutzen, den dieses Organ seinen Besitzern bringen kann. Defizite in der frühkindlichen Entwicklung lassen sich in späteren Lebensphasen  auch durch intensives Training kaum ausgleichen“, so die Quintessenz von Wissenschaftlern. Die Deutsche Akademie der Wissenschaften Leopoldina zieht daraus den Schluss, dass die Investitionen für dieses Alter bedeutender sind als zum Beispiel die für die universitäre Ausbildung. Im Gegensatzzum Ausland wurden in Deutschland nach und nach Studiengebühren an den Hochschulen abgeschafft, zuletzt 2014 in Bayern und Niedersachsen. Das heißt, dass diejenigen, die bereits zu den Privilegierten mit Abitur gehören, genießen den Vorteil subventionierter Hochschulausbildung. Ist das gerecht? Ich überlasse das Urteil dem Leser.  Für den Besuch des Kindergartens aber müssen die Eltern – zwar nach dem Einkommen gestaffelt -  Gebühren entrichten.  Das ist nun wirklich unsozial. Vor allem aber ist es in Bezug auf unsere Gesellschaft, deren wichtigste Ressource die Bildung und Erziehung unserer Kinder ist, nicht vertretbar.

Generell geht es bei dem Bildungsengagement für Kinder nicht nur um die Vorbereitung auf die schulische Bildung, sondern auch um den Erwerb von Kompetenzen, die der persönlichen Verhaltenssteuerung dienen, der sogenannten Selbstregulierungskompetenz. Diese beschreibt die Fähigkeit, Gefühle zu verarbeiten, eine Frustrationstoleranz zu entwickeln, zielgerichtet zu handeln und kurzfristige Befriedigungen gegenüber langfristigen Zielen zurückzustecken.

Zusammengefasst: Frühkindliche Betreuungs- und Bildungsangebote helfen vor allem dem Nachwuchs, der es von Haus aus schwerer hat, also Kinder aus armen, benachteiligten und sogenannten bildungsfernen Haushalten. Dies gilt nicht nur für die reicheren Länder dieser Erde, zu denen Deutschland gehört. Für Skeptiker noch ein Hinweis: Das arme Bangladesch hat die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen gehört: Dort haben lokale Nichtregierungsorganisationen  1800 Vorschulen eingerichtet. Die betreuten Kinder können, wenn sie in der zweiten Klasse der Grundschule sind, besser sprechen, lesen, schreiben und rechnen als ihre Altersgenossen, die keine Vorschule besucht haben.

Dies ist ein Ziel, dem wir uns verpflichtet fühlen sollten. Es ist ein Ziel, das zu erreichen wünschenswert ist für jedes Mädchen und jeden Jungen, vor allem aber ist es ein humanes Ziel, weil es den Wohlstand unseres Landes sichern hilft und damit langfristig auch die demokratische Stabilität, die wir alle schätzen.

Wilfried Seiring

 

 

 

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