Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrte Damen und Herren Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter,
in den vergangenen Jahren hat sich die Zusammenarbeit zwischen dem Bürgermeister und der
Gemeindevertretung zunehmend schwierig gestaltet. Demokratische Beschlüsse werden
missachtet, Fristen werden versäumt und Fragen bleiben unbeantwortet. Die Folgen sind
gravierend: Investitionen stauen sich, wichtige Projekte kommen nicht voran, Planungsgelder
werden verpulvert und Fördermittel gehen verloren. Die Gemeindevertretung sieht sich gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet, diesen
Zustand klar zu benennen, um Transparenz zu schaffen.
Beschluss
Die Gemeindevertretung der Gemeinde Schönwalde-Glien stellt fest, dass das Vertrauensverhältnis
zwischen dem Bürgermeister Herrn Bodo Oehme und der Gemeindevertretung unwiderruflich
zerstört ist.
Begründung
Es handelt sich nicht nur um fehlende Kommunikation, sondern um ein grundlegendes Führungs-
und Organisationsversagen, das die Zukunftsfähigkeit der Gemeinde gefährdet. Transparenz,
Verlässlichkeit und gegenseitiger Respekt sind in Laufe der Jahre verloren gegangen, so dass eine
konstruktive Zusammenarbeit nicht mehr gegeben ist.
Wichtige Informationen wurden der Gemeindevertretung vorenthalten oder nur unvollständig
weitergegeben. Auch auf Nachfragen zu verzögerten Beschlüssen erhielten die Mitglieder
wiederholt unzutreffende oder beschönigende Auskünfte. Darüber hinaus wurden Sachverhalte
gezielt verschwiegen, um Entscheidungen zu beeinflussen. Damit wird die Gemeindevertretung
bewusst im Unklaren gelassen. Zudem werden Beschlüsse ohne nachvollziehbare Begründung
beanstandet. Diese willkürlichen Beanstandungen belegen die fehlende Akzeptanz demokratischer
Beschlüsse. Diese Entwicklungen werfen die Frage auf, ob die Grundprinzipien einer offenen,
verlässlichen und gesetzeskonformen Verwaltung noch gewährleistet sind.
Nahezu sämtliche Entscheidungen laufen über den Tisch des Bürgermeisters, oftmals sogar
kleinste Verwaltungstätigkeiten. Das lähmt die Verwaltung, blockiert Abläufe und überfordert den
Bürgermeister selbst. Eine funktionierende Verwaltung braucht klare Zuständigkeiten, Delegation
und Vertrauen in die Mitarbeitenden.
Besonders deutlich zeigt sich dieses strukturelle Problem in den Überlastungsanzeigen. Am 24.
Oktober 2019 legte das Bauamt dem Bürgermeister erstmals eine schriftliche Überlastungsanzeige
vor. Am 14. Mai 2020 erklärte er mündlich in einer Sitzung der Gemeindevertretung die Überlastung
für die gesamte Verwaltung. Am 9. Dezember 2021 folgten schließlich schriftlich die
Überlastungsanzeigen aller vier Ämter: Bauamt, Kämmerei, Ordnungsamt und Hauptamt. Damit ist
seit Jahren offiziell dokumentiert, dass die Verwaltung ihre gesetzlichen Aufgaben nicht mehr in
vollem Umfang sicherstellen kann und dieser Zustand dauert bis heute an. Überlastungsanzeigen
sind ein Alarmzeichen. Sie erfordern sofortiges Handeln vom Leiter der Verwaltung - dem
Bürgermeister. Bis heute sind diese Anzeigen nicht zurückgenommen worden, obwohl es die Pflicht
des Bürgermeisters gewesen wäre, die Verwaltung so aufzustellen, dass Rückstände abgebaut
werden und ein geordneter Arbeitsablauf gewährleistet wird.
Die Gemeindevertretung hat nicht weggesehen, sondern entschlossen reagiert: Wir haben eine
externe Organisationsuntersuchung in die Wege geleitet, Fristen verlängert, Investitionen
verschoben, Stellen erhöht, um externe Unterstützung gebeten und in mehreren Sitzungen eine
Auflistung aller rückständigen Arbeiten gefordert, um Priorisierungen vorzunehmen. All diese
Maßnahmen blieben ohne Wirkung. Auch in direkten Gesprächen, Sondersitzungen und
wiederholten Nachfragen blieb es bei Ausflüchten. Statt Lösungen vorzulegen, verwies der
Bürgermeister stets auf die bestehende Überlastungsanzeige. Seit nunmehr sechs Jahren hat es
der Bürgermeister nicht geschafft, wirksame Gegenmaßnahmen zu ergriffen.
Die Organisationsuntersuchung hat inzwischen schwarz auf weiß bestätigt, dass es in der
Verwaltung an klarer Führung, funktionierenden Strukturen und verlässlicher Kommunikation fehlt.
In der Verwaltung herrscht ein Klima aus Misstrauen und Resignation. Mitarbeitende berichten von
mangelnder Wertschätzung und fehlender Unterstützung. Führungskräfte sind oft nicht erreichbar
oder treffen notwendige Entscheidungen zu spät oder gar nicht. Wichtige Aufgaben bleiben liegen
und Projekte kommen nicht voran. Immer mehr Mitarbeitende haben aufgrund des schlechten
Arbeitsklimas gekündigt. Die Folge ist ein erheblicher Personalverschleiß und eine dauerhaft
überlastete Verwaltung. Die Situation wird zusätzlich verschärft durch unbesetzte
Leitungsfunktionen im Bauamt, Hauptamt und Ordnungsamt. Die Tatsache, dass diese
Schlüsselpositionen über Jahre vakant bleiben, ist kein Zufall, sondern Ausdruck mangelnder
Führung.
Hinzu kommen gravierende organisatorische Missstände. Projekte wie das Strandbad Schönwalde,
die Seniorenwohnanlage, die Erweiterung des Edeka-Marktes, die Schulerweiterung in der
Siedlung, die Übergangslösung für den Hort in Perwenitz und zentrale Infrastrukturmaßnahmen
stagnieren seit Jahren. Fördermittel drohen verloren zu gehen, weil Planungen nicht rechtzeitig
umgesetzt werden.
Die anhaltenden Überlastungsanzeigen, die Nichtumsetzung von Beschlüssen, unbesetzte
Schlüsselstellen und die Blockade notwendiger Entlastungen zeigen: Der Bürgermeister wird seiner
Verantwortung als Leiter der Verwaltung nicht gerecht. Er verletzt damit seine Pflichten nach § 54
BbgKVerf und gefährdet die Zukunft der Gemeinde. Der gegenseitige Vertrauensverlust ist
offensichtlich und darf nicht länger unausgesprochen bleiben.
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Herrn Klemens Urban
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